Archiv für August 2011

Weitere Beschwerde bei Astra

… oder und täglich grüßt das Murmeltier.

Ein Leser unseres Blogs hat uns seine Beschwerde, welche er an Astra geschickt hat, ebenfalls zugesendet:

Sehr geehrte Mitarbeiter_innen von Astra,

eine ganze Weile schon sind mir Ihre von der Werbeagentur Philipp und Keuntje gestalteten Werbeplakate ein Dorn im Auge. Ich möchte Ihnen gerne meinen Unmut mitteilen, anstatt mich still und heimlich vom Konsum Ihrer Produkte zurückzuziehen – obwohl ich Astra seit meiner Jugend immer gerne getrunken habe.

Der Grund dafür, Ihr Bier unter diesen Umständen künftig nicht mehr zu kaufen, besteht in der teilweise sexistischen und rassistischen „Analog“-Werbekampagne, die sie momentan fahren – erwähnt seien hier nur die Plakate „Der neue Astra-Tatsch-Screen“ und „Exotischer wird’s nicht“.

Ein Bier zu trinken, das mich an diese herabwürdigenden bzw. indirekt zu sexuellen Übergriffen ermunternden, stereotypisierenden Inhalte erinnert, kann kein Genuss mehr sein. Da ich meine Freizeit sehr ungerne mit derlei Assoziationen verbringe, bleibt es mir leider nicht erspart, mir ein neues Lieblingsbier suchen zu müssen. Das ist schade, auch für Sie.

Falls das Kalkül Ihrer Marketingabteilung darin bestehen sollte, „Männer“ für Ihr Produkt zu gewinnen, liegen Sie leider daneben: mir wird häufig bescheinigt, einer zu sein, und ich finde sexistische (und rassistische) Werbung dennoch ziemlich abstoßend.

Vielleicht überlegen Sie es sich ja noch einmal und stellen Ihre Werbestrategie für die Zukunft um. Dann trinke ich auch wieder gerne Astra.

Die Details meiner Kritik können Sie auf diesem Blog nachlesen, dessen Analyse ich teile (auch wenn sie nicht von mir stammt): http://wasdagegen.blogsport.de/.

Mit freundlichen Grüßen,

Kai Pirinha (Name geändert)

Nach einigen Tagen bekam er eine Antwort

Sehr geehrter Herr Pirinha (Name geändert),

vielen Dank für Ihre Email, in welcher Sie die Astra-Werbungen „Neu! Der Astra Tatsch-Screen“ bzw. „Exotischer wird’s nicht“ kommentieren.

Wir bedauern, dass Ihnen unsere Kampagnen nicht gefallen, schätzen es aber durchaus, dass Sie in den Dialog mit uns treten und uns offen und ehrlich Ihre Meinung wissen lassen.

Wir haben uns mit Ihrer Kritik näher beschäftigt und möchten Ihnen mitteilen, dass es keinesfalls unsere Absicht ist, mit den Motiven Frauen zu diskriminieren bzw. herabzusetzen.

Bei beiden Motiven ist die gesamte dargestellte Szene bewusst ironisch überzogen und ersichtlich satirisch überzeichnet, weshalb keine ernsthafte Herabwürdigung der weiblichen Person beanstandet werden kann. Die Abbildung der Frau in kurzer Hose bzw. Bikini plus Bastrock lässt unserer Meinung nach nicht zwangsläufig auf eine Diskriminierung des weiblichen Geschlechts schließen. In den von Ihnen kritisierten Fällen wird nicht die ständige sexuelle Verfügbarkeit der Frau suggeriert, sondern vielmehr mit ihnen zwar in durchaus erotischer und humorvoller, aber weder pornografischer noch herabwürdigender Art und Weise für die Kampagnen von Astra geworben. Die dargestellten Abbildungen dienen vielmehr als humorvolle optische Ergänzung der Slogans. Auch der Werberat urteilte bei vergleichbaren Motiven in der Vergangenheit in dieser Form und sah keinen Verstoß gegen die Grundsätze zum Thema Herabwürdigung und Diskriminierung von Personen.

Der Slogan des Motivs „Exotischer wird’s nicht“ bezieht sich auf die außergewöhnlich exotischen Biermischgetränke anderer Hersteller, die in direkter Konkurrenz zu Astra Alsterwasser stehen. Das Motiv „Neu! Der Astra Tatsch-Screen“ haben wir einmalig im Rahmen einer umfassenden Themen-Kampagne „Astra bleibt analog“ genutzt, mit welcher die Marke den aktuellen Internet- und Web-Hype ironisch aufnimmt und zu mehr Aktivitäten im realen Leben auffordert, die das soziale und kulturelle Miteinander fördern. Dies erfolgte in einem zeitlich begrenzten Rahmen durch viele unterschiedliche Maßnahmen, wobei das von Ihnen kommentierte Motiv nur eines von vielen verschiedenen Motiven darstellte und daher keine herausragende Einzelrolle spielt. Darüber hinaus wurde das Motiv „Neu! Der Astra Tatsch-Screen“ nur für kurze Zeit – bis zum 04. April 2011 – als Plakatwerbung geschaltet und wird nun von unserer Seite nicht mehr öffentlich zum Einsatz kommen.

Die Plakatwerbung wurde uns zudem von einer weiblichen Kundenberaterin unserer Werbeagentur vorgestellt sowie von zwei weiblichen Mitarbeiterinnen der Marketingabteilung zur Freigabe vorgeschlagen.

Wir hoffen auf Ihr Verständnis für unseren Standpunkt und würden uns freuen, wenn Sie doch wieder das ein oder andere Mal zu einem Astra greifen und dieses dann mit Genuss trinken.

Mit freundlichen Grüßen
Frau Carlsberg

Für die Antwort wurden Standard-Textbausteine wie in der Antwort an Ninia Binias verwendet. Die Kritik am „Exotischer wird’s nicht“-Plakat wird absolut oberflächlich beantwortet. Auf den offensichtlichen Zusammenhang von Text und Bild sowie dem daraus reproduzierten Stereotyp wird nicht eingegangen.

Also aus Hamburg nichts Neues…

Welt-Astra-Tag? Was dagegen!

Sympathisant_innen dieses Blogs nahmen den Welt-Astra-Tag zum Anlass, ihre Kritik an der Werbestrategie der Brauerei zu äußern und auf diese Seite zu verweisen.

Bericht mit Fotos ist hier zu finden: http://de.indymedia.org/2011/07/312992.shtml


Bildquelle: http://de.indymedia.org/icon/2011/07/312993.jpg